Raum für Haltung, Handwerk und Kaffee
„Wenn Raum, Handwerk und Kaffee zusammenkommen, entsteht mehr als ein Ort – es entsteht ein Gefühl. Eines, das bleibt.“
Mitten im Gewerbegebiet haben die Gründer:innen von WOKE.UP Kaffee eine Kaffeerösterei geschaffen, die weit über guten Kaffee hinausgeht. Hier treffen Haltung, Handwerk und Interior aufeinander – verbunden durch den Anspruch, Qualität sichtbar und spürbar zu machen. Zwischen Betonoptik, Eichenholz und farbigen Verpackungen stehen unsere Retrostar Möbel als Teil dieses Gesamtkonzepts: nicht als Dekoration, sondern als bewusster Bestandteil eines Raumes, der Menschen entschleunigen soll.
Im Interview sprechen die Gründer:innen von WOKE.UP über mutige Entscheidungen, ihre Reise nach Kolumbien, bewussten Handel und darüber, warum Einrichtung genauso viel mit Gefühl zu tun hat wie Kaffee.
Was war der Moment, in dem aus der Idee für WOKE.UP ein echtes Unternehmen wurde – und was hat euch den letzten Anstoß gegeben?
Der Weg zu WOKE.UP war ein Prozess – aber der letzte Anstoß war ein ganz klarer Moment.
Der Wunsch, etwas Eigenes zu machen, war schon lange da. Was gefehlt hat, waren Mut und Vertrauen, diesen Schritt wirklich zu gehen.
Erst unsere längere Reise hat das verändert. Wir haben unsere sicheren Jobs gekündigt, unser Haus verkauft und sind mit dem eigenen Van durch Skandinavien gereist. Diese Zeit hat uns den Raum gegeben, Dinge neu zu denken – und den Mut, Entscheidungen zu treffen.
Zurück in Deutschland wollten wir zunächst gemeinsam mit Partner:innen eine Kaffeerösterei aufbauen. Doch relativ schnell wurde deutlich, dass unsere Visionen und Vorstellungen auseinandergehen. Für uns war klar, dass wir Kaffee nicht nur als Produkt sehen, sondern mit Haltung arbeiten wollen – auch vor dem Hintergrund, dass wir als queeres Paar hinter dem stehen müssen, was wir tun.
Deshalb haben wir uns entschieden, unseren eigenen Weg zu gehen.
Gleichzeitig war uns wichtig, den Ursprung wirklich zu verstehen. Wir sind nach Kolumbien gereist und konnten dort erste Beziehungen zu Farmer:innen sowie einem Importeur aufbauen. Das hat uns enorm gestärkt und geholfen, weil wir so früh die Grundlage für direkten, bewussten Handel schaffen konnten.
In diesem Zusammenspiel aus Mut, Vertrauen und klarer Haltung ist WOKE.UP entstanden.
Kein lauter Startschuss – sondern eine sehr bewusste Entscheidung.
Ihr bezieht eure Bohnen ausschließlich aus Ländern, in denen LGBTQ+-Rechte geachtet werden. Was bedeutet diese bewusste Einschränkung konkret für eure Arbeit – und für den Geschmack in der Tasse?
Unsere Entscheidung wirkt sich auf alles aus – von der Auswahl bis zum Geschmack in der Tasse.
Wir wählen unsere Ursprungsländer bewusst. Das gibt uns einen klaren Rahmen: fokussiert, reduziert und mit Haltung. Innerhalb dieses Rahmens entsteht aber keine Einschränkung, sondern Vielfalt. Unterschiedliche Regionen, Aufbereitungen und Profile – bewusst exklusiv statt zufällig gewählt.
Während sich viele Röstereien über einzelne Kriterien definieren, schauen wir auf das Gesamtbild: auf den Kontext, in dem Kaffee entsteht und darauf, ob er zu uns passt.
Diese Klarheit verändert unsere Arbeit. Sie zwingt uns, genauer hinzusehen, bewusster zu entscheiden und Qualität nicht dem Zufall zu überlassen.
Und genau das spürt man in der Tasse: Kaffees mit klarer Struktur, eigenem Charakter und einer Auswahl, die in sich stimmig ist.
Wenn jemand zum ersten Mal euren Raum betritt: Welches Gefühl soll entstehen – und wie habt ihr die Einrichtung darauf ausgerichtet?
Wenn jemand unseren Raum betritt, soll sofort ein Gefühl entstehen: Qualität, die man sieht, bevor man sie schmeckt.
Unsere Gäste kommen oft mit einer ganz anderen Erwartung – gerade, weil wir uns in einem Gewerbegebiet befinden. Umso wichtiger war es für uns, einen Raum zu schaffen, der überrascht. Klar, ruhig und hochwertig – aber gleichzeitig lebendig.
Unser Anspruch an Kaffee spiegelt sich genau dort wider. Denn bevor jemand den ersten Schluck nimmt, nimmt er den Raum wahr. Materialien, Farben, Haptik – all das ist für uns Teil des Gesamterlebnisses.
Unsere Verpackungen bringen bewusst Farbe und Bewegung mit. Die Möbel greifen diese Dynamik auf, aber in einer ruhigeren, reduzierten Form. So entsteht ein Zusammenspiel, das nicht laut ist, aber präsent.
Gleichzeitig war uns wichtig, das Handwerk sichtbar zu machen. Vom Verkaufsraum aus blickt man direkt in die Produktion. Man sitzt auf hochwertigen Möbeln, probiert sich durch verschiedene Kaffees und erlebt, wie vielfältig Kaffee sein kann.
Viele kennen Kaffee als schnellen Begleiter im Alltag. Wir möchten zeigen, dass er mehr kann: ein Moment sein, ein Raum, ein Erlebnis.
Und genau das beginnt für uns in dem Augenblick, in dem man den Raum betritt.
Ihr habt euch für zwei Retrostar Sessel in der Bauhaus 1922 Edition und ein Retrostar Sofa in Dunkelgrau entschieden. Was hat euch an genau dieser Kombination überzeugt?
Die Entscheidung ist tatsächlich in zwei Schritten entstanden.
Als wir in der Produktion von Sternzeit Design waren, hat uns die Form der Sessel sofort überzeugt: schlicht, clean und gleichzeitig sehr markant. Diese Klarheit hatte genau das, was wir gesucht haben – etwas Zeitloses, das nicht laut ist, aber präsent. Etwas Besonderes.
Der Stoff war zu diesem Zeitpunkt noch nicht final entschieden. Ursprünglich hatten wir eher ruhigere Varianten im Kopf. Erst als unser Raumkonzept feststand, hat sich das verändert.
Mit den klaren Flächen, der Betonoptik, den Regalen aus weißem Metall und Eichenholz – und vor allem mit unseren farbigen Verpackungen – wurde deutlich, dass der Verkaufsraum einen bewussten Kontrast braucht.
Foto: The Old Pub Eleven
Der Bauhaus-Stoff bringt genau das hinein: Farbe, Bewegung und etwas Unerwartetes. Während die Form Ruhe gibt, sorgt der Stoff für Spannung.
Gleichzeitig war uns wichtig, diese Spannung gezielt einzusetzen. Deshalb haben wir uns bewusst für zwei Sessel in diesem auffälligen Stoff entschieden – und als Ausgleich für ein dunkelgraues Retro-Sofa. Für unseren Verkaufsraum hätte mehr davon schnell zu unruhig gewirkt.
Diese Balance war für uns entscheidend: Akzente setzen, ohne den Raum zu überladen.
So greifen die Möbel die Dynamik unserer Marke auf, bleiben aber im Gesamtbild ruhig und hochwertig. Im vorderen Bereich liegt der Fokus klar auf dem Kaffee. Im hinteren Teil entfalten die Möbel ihre Wirkung – dort, wo Gespräche entstehen und man mit Blick in die Rösterei zur Ruhe kommt.
Am Ende ist daraus ein stimmiges Zusammenspiel aus Form, Farbe und Raum entstanden.
Die Bauhaus-Sessel sind ja ziemlich farbenfroh und auffällig. Wie reagieren eure Gäste auf die Möbel – gibt es Momente oder Kommentare, die euch in Erinnerung geblieben sind?
Die Reaktionen unserer Gäste sind tatsächlich genau das, was wir uns erhofft haben.
Uns war bewusst, dass die Sessel sofort wahrgenommen werden – gerade weil der Raum sonst sehr klar und reduziert ist. Dieser Kontrast ist gewollt.
Viele Gäste bleiben kurz stehen, schauen genauer hin – und gehen dann fast automatisch auf die Möbel zu. Was uns besonders auffällt: Der Stoff wird fast immer berührt.
Von der Optik her erwarten viele etwas Robustes, fast Strenges. Umso größer ist dann der Moment, wenn sie merken, wie weich sich das Material anfühlt. Dieser kleine Aha-Effekt passiert immer wieder.
Und genau das kennen wir auch vom Kaffee. Man sieht ihn zuerst, man riecht ihn – und erst dann erlebt man ihn wirklich. Optik, Haptik und Geschmack greifen ineinander und erzeugen ein Gesamtgefühl.
Und spätestens beim Hinsetzen kommt dann oft ein ehrliches: „Wow, der ist richtig bequem.“
Die Sessel haben etwas von einem Loungemöbel, ohne dass man darin „verschwindet“. Man sitzt aufrecht, entspannt – genau richtig, um einen Kaffee bewusst zu genießen oder ein Gespräch zu führen.
Diese Verbindung aus exklusivem Design und Erlebnis – und die Parallelen zum Kaffee – bleiben vielen im Gedächtnis.
Foto: The Old Pub Eleven
Kaffeerösten ist Handwerk, eure Möbel sind Handwerk. War das ein bewusster Gedanke bei der Auswahl – oder ist euch die Parallele erst später aufgefallen?
Für uns war das von Anfang an ein sehr bewusster Gedanke.
Wir verstehen uns selbst als Handwerk – und wollten deshalb auch im Raum nichts „von der Stange“. Es sollte etwas sein, das man nicht nur sieht, sondern auch fühlt.
Haptik spielt für uns eine große Rolle. Genau wie beim Kaffee geht es nicht nur um das Ergebnis, sondern um den gesamten Weg dorthin. Deshalb war für uns schnell klar: Wir müssen uns das vor Ort anschauen.
In der Produktion hat sich dann bestätigt, was wir gesucht haben. Die Materialien, die Verarbeitung, die Nähe in der Beschaffung – alles hatte eine klare Linie und einen hohen Anspruch. Dinge, die nicht austauschbar sind, sondern bewusst entschieden.
Natürlich hat das seinen Preis. Aber wir sind bereit, diesen zu zahlen, wenn Qualität und Werte stimmen.
Was dabei fast nebenbei entstanden ist: Vertrauen. Und eine gemeinsame Haltung. Auch in Themen wie Nachhaltigkeit, kurzen Lieferketten und der Wertschätzung für das, was man herstellt.
Der Markt ist voll von Möbeln – genauso wie von Kaffee. Aber genau deshalb war uns wichtig, etwas zu wählen, das sich bewusst davon abhebt.
Und genau darin haben wir uns wiedergefunden.
Letzte Frage: Wie trinkt ihr euren Kaffee am liebsten – und auf welchem der Möbelstücke sitzt ihr dabei?
Das ist tatsächlich die schwierigste Frage – zwischen Wunsch und Realität.
Am liebsten trinken wir Kaffee mit Zeit. Ganz bewusst. Denn genau das steckt ja auch in ihm: Zeit, Sorgfalt und Handwerk. Die Realität als Startup sieht oft anders aus.
Wenn wir uns die Momente nehmen, dann meistens im Gespräch – mit Partner:innen oder Kund:innen. Mal sitzen wir dabei in den Sesseln, mal auf der Bank. Ehrlich gesagt: Wir mögen beides und können uns gar nicht festlegen.
Was aber immer gleich ist: Wir trinken unseren Kaffee schwarz. Clean. Ohne Ablenkung.
So, wie er gedacht ist – und so, wie er in der Tasse ankommt. Mit allem, was dazugehört.
Fotografie von:
The Old Pub Eleven
Tina Beiwinkel
design@theoldpub-eleven.de
www.theoldpub-eleven.de

















